1                  Tätigkeitsbeschreibungen Saunameister

 

Das tatsächliche Aufgabengebiet eines Mitarbeiters in einer Sauna wird im jeweiligen, individuellen  Arbeitsvertrag geregelt. Bei allen Unterschieden zwischen den einzelnen Saunaanlagen und deren Arbeitsverträgen lassen sich einige Kernpunkte der Tätigkeit eines Saunamitarbeiters (Saunafachkraft, Saunafachwirt, Saunameister) in jeder Sauna beschreiben.

 

1.1                  Grundaufgaben für Saunameister

 

Das Aufgabengebiet eines Mitarbeiters (Saunafachkraft, Saunafachwirt, Saunameister) in einer Sauna lässt sich in verschiedene Aufgabenbereiche unterteilen:

 

Ø  Kundenkontakt und Kundenbetreuung

Ø  Aufgussdurchführung

Ø  Sicherheit und Aufsicht

Ø  Hilfe bei Zwischenfällen

 

 

1.2                  Kundenkontakt und Kundenbetreuung

 

Der Mitarbeiter (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) in der Saunaanlage ist der direkte Ansprechpartner des Badegastes für praktisch alle Fragen. Als Erfüllungsgehilfe vertritt er das Unternehmen und sollte über die für einfache Auskünfte notwendigen Fachkenntnisse verfügen. Dazu gehören nicht nur Informationen zum Betrieb (Angebote, Preise etc.) sondern insbesondere im ureigenen Einsatzgebiet, dem Saunabaden, muss er zwingend über Grundwissen zu den vorhandenen Bädern, deren Badeablauf und den wichtigsten physiologischen Reaktionen des Organismus verfügen. Entsprechend ist als Mindestqualifikation für Aufgießer und Aushilfen das Tagesseminar Saunafachkraft zu fordern.

 

 

 

1.3                  Aufgussdurchführung

 

Ein Saunaaufguss im Rahmen eines gesundheitsorientierten Badeablaufes dient nicht nur der Regulation des Raumklimas in der Saunakabine, sondern auch der Unterhaltung und Bindung der Gäste an den jeweiligen Betrieb und damit   der Anlage.  In diesem Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Marketing ist es insbesondere mit Blick auf die Sicherheit der Gäste, der Mitarbeiter und des Betriebes notwendig, für den Aufguss definierte Rahmenbedingungen festzulegen und diese den Mitarbeitern (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister)  zu vermitteln.

 

 

 

1.3.1                  Aufgusspersonal

 

Das Aufgusspersonal (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) führt den Aufguss durch und muss deshalb für diese Aufgabe geeignet sein. Auf der Basis von physiologischen Anforderungen an das Saunabad und Sicherheitsaspekten lassen sich verschiedene Anforderungen formulieren, die das Aufgusspersonal erfüllen muss:

 

 

 

Ø  Mindestalter der Mitarbeiter

Anforderungen an das Mindestalter der Mitarbeiter ergeben sich auf der Basis der Einschätzung der Zuverlässigkeit von Mitarbeitern. Jungen Erwachsenen (unter 18 Jahre)  in der „Sturm und Drang-Phase“ ihres Lebens fehlt es häufig an der Fähigkeit, die Folgen ihres Handelns richtig zu bewerten. Aus Fehlern beim Aufguss können gravierende Schäden resultieren (z.B. falsche Verdünnung des Aufgussmittels mit nachfolgendem Saunabrand und Personenschäden). Um die Fehlerquellen so weit wie möglich zu reduzieren, muss das Mindestalter des Mitarbeiters (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) 18 Jahre sein. Ab diesem Alter wird schlicht unterstellt, dass diese Person verantwortungsvoll handelt und die Folgen des eigenen Handelns abschätzen und bewerten können. Eine Altershöchstgrenze definiert sich durch die abnehmende körperliche Leistungsfähigkeit im steigenden Alter und muss individuell beurteilt werden.

 

Ø  Körperliche und geistige Eignung

Die Durchführung eines Aufgusses erfordert einen Aufenthalt von durchschnittlich 6-8 min in einer Umgebungstemperatur von ca. 100°C bei sehr mäßiger, körperlicher Bewegung. Der Saunamitarbeiter (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) sollte dazu in der Lage sein, diese körperliche Belastung mehrmals am Tag (1 x pro Stunde) ohne Probleme erbringen zu können. Zu dieser Mindestanforderung kommt hinzu, dass ggf. in einem Schadensfall der Verunfallte durch den Mitarbeiter zur Erstversorgung schnell aus der Saunakabine (notfalls mit weiterer Hilfe) gebracht werden muss. Die körperliche Leistungsfähigkeit sollte demnach so hoch sein, dass man einen ggf. bewusstlosen Menschen wenige Meter weit transportieren kann.

Die geistige Eignung eines Saunamitarbeiters (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) ist erfüllt, wenn der Mitarbeiter in der Lage ist, Dienstanweisungen zu verstehen und umzusetzen. Er muss in der Lage dazu sein, Fehler in seinem Handeln erkennen zu können und im Notfall geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können. Dies setzt ein Denken in „Szenarien“ voraus (Wenn ich das mache, passiert das).

 

Ø  Kenntnisse in Erste Hilfe

Jeder Mitarbeiter – egal in welchem Betrieb und in welcher Funktion im Betrieb –sollte die grundsätzlichen Gefährdungspotenziale seines Betriebes kennen und in der Lage dazu sein, eine Erstversorgung am potenziellen Unfallort leisten zu können. Eine Ausbildung in erster Hilfe – wenn möglich angepasst an die jeweiligen spezifischen Gefährdungspotenziale des Betriebes – muss deshalb als Grundvoraussetzung gefordert werden.

 

Ø  Qualifikation

Der mit der Durchführung der Aufgüsse betraute Mitarbeiter (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) sollte mindestens über Grundkenntnisse im Bereich des physiologischen Badeablaufes und die Durchführung von Aufgüssen mit potenziellen Gefahrenquellen besitzen. Als Mindestanforderung kann damit das Tagesseminar „Sauna-Fachkraft“ definiert werden. Eine einfache Betriebseinweisung sonst unkundiger Personen reicht in keinem Fall aus, um die mit einem Aufguss verbundenen, potenziellen Risiken erkennen und vermeiden zu können.

 

Ø  Dienstkleidung und persönliche Schutzausrüstung

Im Laufe eines Arbeitstages absolviert der Saunamitarbeiter (SaunafachkraftSaunafFachwirtSaunameister) maximal 1 Aufguss pro Stunde. Am Arbeitstag demnach 8 Aufgüsse und im Extremfall 5 Tage in der Woche. Daraus ergibt sich eine starke physiologische Belastung, die durch ein angepasstes Verhalten des Mitarbeiters kompensiert werden muss. Dazu gehört zunächst, dass der Aufguss in Dienstkleidung (mindestens Hose, T-Shirt und Badeschuhe) durchgeführt wird. Dies ist nicht nur aus grundsätzlichen ästhetischen und hygienischen Gründen zu fordern, sondern auch vor dem Hintergrund, dass Zwischenfälle während des Aufgusses eintreten können, auf die der Mitarbeiter angemessen reagieren muss (z. B. Ohnmacht eines Gastes). Für die notwendige Verdünnung der verwendeten Aufgussmittel ist der Einsatz einer persönlichen Schutzausrüstung notwendig (Aufgussmittel sind ätherische Öle, die in hoher Konzentration die Haut und Schleimhäute reizen. Deshalb immer die Sicherheitsdatenblätter der Aufgusshersteller beachten und Schutzbrille, Handschuhe und Kittel tragen)

 

Ø  Aufgussplan

Die Durchführung (Anzahl und Dauer) von Aufgüssen sollte in einem Aufgussplan (der Bestandteil des Dienstplanes sein kann) reglementiert werden. Unter Berücksichtigung der Aufenthaltsdauer des Mitarbeiters in der Kabine beim Aufguss lassen sich kurze (bis 5 min) und lange (bis maximal 10 min) Aufgüsse unterscheiden. Bei einem Aufenthalt in der Saunakabine (100°C, 2-3 % rel. Feuchte) erhöht sich die Kerntemperatur des Mitarbeiters um ca. 1°C. Entsprechend ist bei dieser Form der Belastung ein Rahmen von 1 Aufguss pro Stunde vorzusehen. Fallen die Aufenthalte in der Kabine kürzer aus (max. 5 min), können auch mehrere Aufgüsse pro Stunde vom Mitarbeiter durchgeführt werden. Eine Gesamtaufenthaltsdauer von ca. 15 min pro Stunde sollte nicht überschritten werden. Nach der Wärmebelastung muss dem Mitarbeiter die Möglichkeit der Abkühlung/Entwärmung  eingeräumt werden. Kaltwasseranwendungen sind dazu ebenso geeignet wie der Aufenthalt mit leichten körperlichen Tätigkeiten in nicht Hitze belasteten Räumen (Aufsicht, Kontrollrundgang etc.). Der Aufrechterhaltung des körpereigenen Wasserhaushaltes liegt im persönlichen Verantwortungsbereich des einzelnen Mitarbeiters.

 

 

1.3.2                  Aufgussmenge und Aufgussmittel

 

Das finnische Saunabad gehört zu den trocken-heißen Badeverfahren. Entsprechend sollte sich die relative Luftfeuchte in der Kabine in der Größenordnung von 2-3 % bewegen. Unter der Annahme, dass ein Großteil der Luftfeuchte durch das heiße Holz der Kabine im Laufe der Zeit absorbiert worden ist, sollte eine Wassermenge von 10-30 g / m3 Rauminhalt aufgegossen werden. Deutlich höhere Wassermengen führen zu sehr gefährlichen und schmerzhaften Verbrühungen.

 

Bei den Aufgussmitteln handelt es sich im Regelfall um ätherische Öle, die nicht nur Haut- und Schleimhautreizend sind, sondern vor allem leicht brennbar! Um sicher zu stellen, dass keine Verpuffungsreaktionen in Form von Stichflammen durch das Auftragen eines falsch verdünnten Aufgussmittels auf den über 130°C heißen Ofen entstehen und die Gäste nebst Mitarbeiter und Kabine verbrennen, ist zwingend die Verdünnungsanleitung des Datensicherheitsblattes des Herstellers zu beachten. Die darin angegebenen Mischungsverhältnisse beziehen sich de facto immer auf eine Mischung mit kaltem Wasser. Der Einsatz von warmem Wasser um eine bessere Lösung des Aufgussmittels zu erzielen, kann bereits dazu führen, dass überdosiert wird.

 

 

 

1.3.3                  Aufgussdurchführung

 

 

Vorbereitung

Zu den Vorbereitungsarbeiten der Durchführung eines Aufgusses gehört zunächst dazu, die Gäste über den anstehenden Aufguss zu informieren. Im Regelfall erfolgt dies durch einen Aushang oder den Aufgußplan.

Die Mindestangaben sollten dabei sein:  

 

1.      Ort (welche Saunakabine)

2.      Zeitpunkt(Uhrzeit)

3.      Dauer

4.      Verwendetes Aufgussmittel (wegen möglicher Allergiker)

 

Insbesondere vor längeren Aufgüssen (> 5 min) empfiehlt es sich, die betreffende Saunakabine vor dem Aufguss zu lüften und entweder zu „räumen“ oder die Badegäste mindestens darauf hinzuweisen, dass bei einer Überschreitung der empfohlenen Badezeit  (max. 15 min) gesundheitliche Probleme nicht ausgeschlossen werden können.

 

 

 

Durchführung

Zu Beginn des Aufgusses empfiehlt es sich, dem – ggf. neuen Saunagast – die für den Badeablauf notwendigen Informationen zu geben. Entsprechend gibt der Saunamitarbeiter (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister)  folgende Auskünfte.

 

1.      Er stellt sich vor (Name, Funktion)

2.      Er benennt die Dauer des Aufgusses

3.      Er benennt den Duftstoff

4.      Er verweist auf die maximale Aufenthaltsdauer

5.      Er verweist auf die Möglichkeit des Verlassens der Kabine und fragt nach ggf. vorhandenen Gesundheitsproblemen

 

Die Saunagäste persönlich zu begrüßen und sich mit seinem Namen und seiner Funktion im Betrieb vorzustellen, gehört zu den höflichen Umgangsformen. Durch den Hinweis auf ihre Funktion ((Sauna-FachkraftSauna-FachwirtSauna-Meister)) signalisiert man dem Gast eine Grundausbildung und Kompetenz. Dies erleichtert später notwendige Verhaltenskorrekturen an den Gästen.

Die Dauer des Aufgusses anzugeben ist insbesondere in den Fällen zwingend notwendig, in denen die Kabine vor dem Aufguss nicht geräumt wurde. Nur so können die Gäste eigenverantwortlich abschätzen, ob sie am Aufguss noch teilnehmen oder vorher die Kabine verlassen möchten. Da nicht alle Saunagäste wissen, wie lange der maximale Aufenthalt in einer Saunakabine unter physiologischen Bedingungen sein sollte, empfiehlt es sich gleichzeitig, die maximale Badezeit von 15 min zu nennen.

Die Benennung des Duftstoffes ist zum einen für die Information der Gäste notwendig, zum anderen für evtl. anwesende Allergiker. Grundsätzlich ist es zwar eher unwahrscheinlich, dass Allergiker auf Aufgussmittel reagieren, da die Gerüche jedoch über die olfaktorische Gestaltwahrnehmung mit Emotionen verknüpft und im Gehirn gespeichert sind, sollten solche Personen vorgewarnt werden, um psychische Reaktionen zu verhindern.

Auch wenn es von zahlreichen Saunagästen als störend empfunden wird, wenn Gäste während des Saunaaufgusses die Kabine verlassen, gebietet der Grundsatz von Sicherheit und Aufsicht, dass die anwesenden Gäste darauf hingewiesen werden, das sie jederzeit die Sauna verlassen können.

 

Während der eigentlichen Aufgussdurchführung beobachtet der Saunamitarbeiter (SaunafachkraftSaunafachwirtSaunameister) das Verhalten seiner Gäste. Typische Anzeichen für gesundheitliche Probleme sind:

 

-         starrer, inhaltsloser Blick (Ansprechen)

-         Verlust des Gleichgewichtes (torkeln, schwanken, taumeln, abstützen)

-         Aufgedunsenes Gesicht

-         Erbrechen

-         Zittern

-         Verbrennungen (Haut löst sich, ist extrem rot)

-         Regungslosigkeit, nicht Ansprechbarkeit

-         Hände in Pfötchenstellung

 

Bei der Beobachtung derartiger Anzeichen ist der Gast zunächst anzusprechen und des Raumes zu verweisen. Ist erkennbar, dass der Gast nicht mehr allein gelassen werden kann, ist der Aufguss abzubrechen und dem Gast Ersthilfe zu leisten.

 

Abschluss und Nachkontrolle

Am Ende des Aufgusses  bedankt sich der Mitarbeiter für die Teilnahme seiner Gäste und gibt Hinweise zum weiteren Verhalten:

 

1.      Danksagung

2.      Badeablauf: Freiluftbereich, Kaltwasseranwendungen, Fußwärmbecken

3.      Hinweis auf Beratungstätigkeit (bei Fragen bitte zu mir kommen).

 

Häufig kommt es vor, insbesondere bei kürzeren Aufgüssen,  dass nicht alle Gäste nach dem Aufguss gleichzeitig die Kabine verlassen. Die in der Kabine verbleibenden Gäste müssen vom Mitarbeiter durch Augenscheineinnahme und ggf. Ansprache auf evtl.vorliegende oder sich entwickelnde gesundheitliche Probleme hin überprüft werden. Nach Durchführung der Abschlussarbeiten (Arbeitsmittel reinigen und wegräumen, Restwasserentsorgung etc.) empfiehlt sich eine Nachkontrolle der Saunakabine, des Freiluftbereiches und des Kaltwasserbereiches. Befinden sich noch immer Gäste in der Kabine an der gleichen Position wie beim Aufguss, so sind diese anzusprechen um abzuklären, ob Probleme vorliegen. Erst danach kann sich der Saunamitarbeiter um seine eigene Körperhygiene und Abkühlung kümmern.

Saunameister

Sauna

Sauna-Meister
Wirkung eines Aufguss